Glücklich Gärtnern

Gärtnern, Leben, Genießen

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Von der Kunst der Gelassenheit im Garten…

Mein Garten ist jetzt im 4. Jahr und langsam komme ich in die Phase, dass er mir gefällt. Die Beete sind mittlerweile gut gefüllt und die Pflanzen scheinen sich wohl zu fühlen. Es ist toll zu sehen, wie alles grünt und blüht.

Doch mir fehlt noch etwas Entscheidendes für mehr Erfolg im Garten. Die Gelassenheit ist es. Ich kann mich nicht davon frei machen, dass das Zugrundegehen einer Pflanze sich immer wie persönliches Versagen anfühlt. Hätte ich mehr tun können? Hätte ich mich mehr mit der Pflanzen beschäftigen müssen?

Warum ist der Rhododendron innerhalb von 2 Jahren vor sich hin gesiecht, bis er komplett vertrocknet ist? Warum geht der Apfelbaum kaputt? Und was ist, wenn man den gemeinen Rüsselkäfer auf seinen Stockrosen findet? Liest man dazu im Internet, scheint der Rüsselkäfer eines von vielen Armageddons für den Garten zu sein, mögen seine Larven ja so ziemlich alle Wurzeln und raffen damit die Pflanze dahin. Fliederbäume sind beliebt und auch die Rhododendrons. Es wäre für mich eine persönliche Katastrophe, wenn meine eingewachsenen großen Fliederbäume kaputt gehen würden. Genauso verhält es sich mit einigen Rosenkrankheiten. Ich liebe meine Rosen und beobachte argwöhnisch jede abgestorbene Triebspitze.

Aber warum kann ich mich davon nicht frei machen, warum kann ich den Garten nicht genießen und einfach schauen, was passiert? Es ist wie gesagt, etwas persönliches, wenn den Pflanzen solche Laster befallen. Ich nehme es persönlich. Dahinter steckt der Hang zu Perfektionismus, der sich mit dem Garten so gar nicht verträgt. Denn es gibt eigentlich keinen perfekten Garten. Dann kommen dazu die vielen perfekten Gartenbilder sei es auf Instagram oder einschlägigen Gartenzeitschriften. Eine Hülle und Fülle im Staudenbeet ist da zu entdecken und man fragt sich zwangsläufig: Was mache ich falsch? Warum sieht es bei mir nicht so aus?

Wenn man dann doch halbwegs zufrieden mit seiner Beetgestaltung ist und es auch versteht, dass viele Bilder nur inszeniert sind, dann kann man sich auf das nächste Problem stürzen: Schnecken, Blattläuse und Wühlmäuse. Kann man überhaupt einen Garten anlegen, wenn man von allen dreien mehr als genug hat? Manchmal ist es schier zum Verzweifeln, wenn man seinen treu gehegten und gepflegten Pflanzen von einen auf den anderen Tag abgenagt und abgefressen vor findet.

Ich gebe es zu, ich lasse mich davon viel zu leicht verunsichern. Und bin dann am zweifeln. Dabei vergesse ich bei all dem etwas absolut wichtiges:

Mir tut mein Garten gut. Die Arbeit im Garten ist für MICH Balsam für die Seele. Ich habe viele Jahre lang nach etwas gesucht, was mich in dieser Weise erfüllt, wie der Garten und als es meiner Seele schlecht ging, hab ich es gefunden. Einfach nur da zu sein, durch die Beete zu schlendern, hier was zu zupfen, da was zu machen. All das ist schon genug für mich. Was ist daran schlimm, wenn da mal eine Pflanzen nicht am richtigen Fleck ist und eingeht? Das ist Natur und die sollte am besten wissen, was wo wie am besten wächst. Und darauf kann man sich dann konzentrieren. Wenn in meinem Garten sich der Fingerhut freiwillig vermehrt, dann sollte er das tun dürfen. Natürlich nicht im Gemüsebeet, aber in einem tollen Schattenbeet. Und die Akeleien mögen meinen Garten auch total gern. Ich mag die Akeleien total gern. Also alles in allem eine total schöne Kombination ;-).

Das gleiche gilt für meinen Gemüsegarten. Die ersten 3 Jahre hab ich damit zu gebracht, alles mögliche anzubauen. Dafür ist aber mein Gemüsebereich nicht ideal. Ein Teil der Beete liegt sonnig, der Rest im Halbschatten. Dazu kommt feuchter lehmiger Boden. Natürlich wird der jedes Jahr mit Kompost und auch ein wenig Sand bearbeitet, aber alles wächst nun mal nicht richtig klasse. Also hab ich ein Teil der Beete für unsere Lieblinge in der Sonne reserviert: Salat, Möhren, Mais. Daneben gibt es noch ein Beet für Kürbis und Zucchini. Der Rest ist für die Erdbeeren, die auch hervorragend im Halbschatten gedeihen. Und die besonders geliebten Gemüsesorten wie Tomaten, Gurken und Chilies wachsen im Gewächshaus eh am besten. Die freien Gemüsebeete werden mit einjährigen Blumen eingesät und die versamen sich, wie sie es mögen. Kamille, Cosmeen und Borretsch finde ich überall im Gemüsegarten. Sogar der teilweise in Blüte gegangene Salat hat sich an 3 Stellen selbst ausgesät. Und das Blumenbeet ist auch noch mein Lieblingsbeet. Weil ich hier endlich Blumen habe, die ich für die Vase schneiden kann.

Es kann also im Garten doch gelassen zugehen. Den Stress macht man sich ja meist selbst. Ich bin mittlerweile zufrieden mit meinem Garten. Er ist nicht geschniegelt und eingefriedet. Die Wiesen sind Wiesen mit Hubbeln und Tiefen und ganz vielen Wildblumen und wird viel zu selten gemäht. Der Totholzhaufen wird nicht abgebaut, mangels Zeit und Platz. Aber die Tiere lieben es. Die Brennesseln dürfen an den Gartenrändern wuchern, denn auch sie sind für die Natur gut. Daraus mache ich mir meine Pflanzenjauche 😉 Und ganz viele Schmetterlinge lieben sie auch.

Ich kann mittlerweile auch gut damit leben, dass wir viel Schatten im Garten haben, denn es gibt viele wunderbare bunte Pflanzen für den Schatten. Und auch die Feuchtigkeit ist eigentlich super. Nach dem letzten trocknen Sommer, merkt man erst, wieviel so ein feuchter Boden wert ist. Ich hatte keine Hitzeverluste, musste nur das Gewächshaus gießen und ab und zu mal die Gemüsebeete.

Es wird, und es wird immer besser im Garten. Ich bin gelassen und zufrieden…, bis ich auf Instagram wieder perfekte Gartenbilder sehe :-)); WUZAAAA!

Es geht um mich und nicht um andere. Fühlt man sich selbst wohl, dann ist der Garten perfekt. Alles andere ist doch egal…

Worüber man nicht spricht…

Wieder einmal ist es lange still um mich und meinem Blog gewesen. Mir persönlich ist es irgendwie ein Anliegen zu erklären, warum.

In den letzten Wochen war ich in einer ambulanten psychosomatischen Tagesklinik, weil meine Ängste bzgl. Krankheiten mich einfach nicht mehr in Ruhe gelassen haben. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, nicht mehr richtig essen, hatte eine überlaunige Verdauung und permanente Angst und Anspannung mit Zittern. Todesangst, die einen 24 Stunden am Tag begleitet.

Wie glücklich sein geht, hab ich schon länger verlernt. Das einzige, was mir immer Halt und Struktur und Freude gegeben hat, war und ist mein Garten. In der Natur zu sein, Abschalten und wenn es nur für ein paar Momente ist.

Über die Herbst- und Wintermonate fällt es mir aber immer schwieriger bei mir zu bleiben, positiv zu denken und einfach nicht unablässig zu grübeln. Aus diesem Grunde hab ich mich im Herbst schon für einen Aufenthalt in einer Tagesklinik entschieden. Aber erst Ende Februar hab ich einen Platz bekommen.

Nun ist diese Zeit fast vorbei und sie hat mir in vieler Hinsicht geholfen, vielleicht nicht immer so, wie man es sich vorstellt. Mir haben besonders die Kontakte mit Patienten geholfen, ich habe ungemein wichtige und schöne Freundschaften geknüpft, Entspannungstechniken gelernt, Abschalten gelernt und natürlich auch in den Therapien viel über mich und das Leben gelernt.

Momentan fühl ich mich einigermaßen stabil. Ich habe Pläne und Antrieb. Besonders letzteres wissen bestimmt diejenigen, die mit Depressionen Erfahrungen haben, ist ja häufig der Knackpunkt. Ich habe das bisher ohne Medikamente geschafft und freue mich darüber. Ich hoffe, dass ich auch nach dem Klinikaufenthalt die Struktur und die Freude beibehalten kann. Ich habe es zumindest fest vor.

Dabei spielt auch mein Garten eine große Rolle. Denn diesen habe ich in der Zeit des Klinikaufenthaltes am meisten vermisst. Ich möchte endlich vieles versäumtes nachholen oder auch einfach nur mal dasitzen und genießen. Deshalb, weil es ja hier im weitesten Sinne um Garten geht, habe ich mich entschieden, diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Es gibt für all diejenigen, die auch mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen haben keine Patentlösung. Für jeden ist etwas anderes gut. Mir hat schon immer die Natur gut getan und für ich sind Entspannungstechniken sehr wertvoll. Weil man dadurch wirklich lernen kann, die Gedanken auch mal loslassen zu dürfen, zu können. Die Ablenkung durch einen strukturierten Tagesablauf sowie die Erfahrung auf Gleichgesinnnte zu treffen sind ebenfalls wichtige Punkte für mich gewesen. Auch wenn so ein drastischer Schritt wie eine Tagesklinik für viele Menschen nicht in Frage kommt, so kann ich aus meiner Sicht nur sagen, dass es mir sehr viel gebracht hat und ich diese Zeit sehr sehr schätze.

Nun freue ich mich auf die Zeit ausserhalb der Klinik, wieder mehr Zeit für mich, für die Familie und meine Tiere und den Garten zu haben und ich hoffe, dass ich doch jetzt wieder häufiger hier auf meinen Blog über richtige Gartenbeiträge schreiben kann.

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